Jahre der Kälte

Gräber; Workuta.tiff
Beta SP ; 89min; schwarz/weiß; Deutschland 1993/94

PREMIERE: Babylon-Filmkunsthaus, Berlin; 28. August 1994, International Filmfestival Rotterdam 2. Februar 1995

tv-AUSSTRAHLUNG: ZDF 30. August 1994

FESTIVALS: Rottersam, Leipzig, Montreal, New York, u.a.

“Jahre der Kälte” lässt sich direkt HIER als VoD-Stream ansehen!

JAHRE DER KÄLTE from schueppel-films on Vimeo.

“Du wirst mich nicht verstehen.”
mein Sohn.”

“Jahre der Kälte” schildert auf ganz persönliche und formell unkonventionelle Weise das Herantasten des Berliner Filmregisseurs Uli M Schueppel an einen verschwiegenen Aspekt deutscher Nachkriegsgeschichte.

Viele Jahre nach dessen Tod denkt der Filmautor an sein Verhältnis zu seinem Vater zurück, besser gesagt an das Verhältnis seiner Generation zu der ihrer Väter. Er stellt eine bestürzende Sprachlosigkeit fest, die symptomatisch ist für die Zeit des Auseinanderlebens der beiden Teile, der beiden Generationen Deutschlands. Der Film “Jahre der Kälte” ist eine subjektive Wahrheitssuche, eine dokumentarische Recherche verschütteter, vergessener, verdrängter Fakten aus einem Kapitel deutscher Geschichte nach 1946 über die wir noch immer wenig wissen.

Der Vater, Prof. Horst EM Schueppel, war als damals 23jähriger Lehrer in der Sowjet. Besatzungszone Gründungsmitglied der LDP (FDP) von Sachsen. Als ihm deswegen Verfolgung drohte, floh Schueppel nicht wie andere in den Westen und wurde 1948 verhaftet. Wegen “Diversion und Spionage” u.a. wurde er 1949 von einem sowjet. Militärgericht zum Tode verurteilt und später zu “fünfmal lebenslänglich begnadigt”. Er saß zunächst in der Haftanstalt von Bautzen, wurde dann aber auf Druck der Besatzungsmacht ins sowjet. Arbeitslager Workuta im äußersten Norden des Ural verlegt. Durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der BRD kam er 1955 mit vielen weiteren politischen Häftlingen frei und siedelte sich im Westen an.

Uli M Schueppel hat sich mit den damaligen Weggefährten seines Vaters getroffen und es gelingt ihm durch die Berichte dieser Zeitzeugen – Menschen, die für Demokratie bereit waren etwas zu riskieren – ein atmosphärisch beklemmendes Bild dieser deutschen Epoche wachzurufen.

Die Abspanntitel des Films sind hier.

Filmautor Uli M Schueppel zu “Jahre der Kälte” HIER.

Aus dem Drehtagebuch (Jahre der Kälte) v. Uli M Schueppel HIER.


Jahre der Kälte – Pressestimmen

“Dieser Film geht sehr nahe ran. Er zeigt alte Männer, Augen, Münder vor einer schwarzen Leinwand. Sie erzählen von Horst (…) und von Workuta, einem sowjetischen Lager für Zwangsarbeit, von Dumpfsinn, Krankheit, Schneestürmen, Kohleschächten und Selbstmord. Blixa Bargeld kommentiert die Reden mit Klängen, mit dumpfen, metallenen Schlägen und mit der Ahnung einer melodiösen Wehmut. Nahaufnahmen einer Super8-Kamera rhythmisieren den Filmschnitt, zeigen Wände, Gänge, Drähte, Decken. Es geht um das Grauen einer Generation. (…)
Die Wirkung ist verblüffend. Es scheint, als flackere die Montage auf, als brenne sie. Dann dehen sich die unheimlichen Dazwischen-Heischungen zu Filmsequenzen aus. Bilder einer grauenhaften Gefangenen-öde, von Maschinen und Einsamkeit sind zu sehen. Das Nicht.Mehr.Verdrängen-Wollen erscheint auf Super8. Dazu werden einige Gedichte des Vaters verlesen. Hier endet jeder Spuk.”

Süddeutsche Zeitung, Marcus Hertneck, 1994

“(…) ‘Zu spät’, ist das letzte Wort. Der Film, ein Essay der Trauer aus Briefen und schwarzweißen, aus dem Dunkel der Vergangenheit gehobenen Bildern, scheint dem zu widersprechen. Hier wird Trauerarbeit versucht, ohne schönzufärben, ohne sich selbst zu schonen. Kein Film, der einen beschaulich sich zurücklehnen lässt, der auf Unterhaltungswerte Rücksicht nähme. Der Strapazen nicht scheut. In seiner optischen Armut nähert er sich dem Elend von einst. Ein Film, der wirklich physische Schmerzen bereitet, nicht zuletzt durch seine ungeschützte, persönliche Reflektion.”

Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, Wilfried Geldner, 1994

“… Aus der Hommage an den Vater wird jedoch – nicht zuletzt durch die Gedichte des Vaters – alsbald auch eine Hommage an all die anderen: Keine Helden des Widerstands vielleicht, och Menschen ‘die einfach den Mut hatten dagegen etwas zu sagen’ (Schueppel); und dies wiederum macht seinen Abschied vom Vater, der ja gleichzeitig eine Begrüssung ist, über die Qualitäten des Zeitdokuments hinaus zu einem sehr aktuellen Film.”

Südkurier, T.Gangloff, 1994

“… Eine eindringliche Skizze versäumter Fragen. …”

taz, R. Wollowski, 1994

“… So war diese ausgezeichnete Dokumentation gleichzeitig ein Film über die Grenzen des Genres – und ein Trauern über versäumte Fragen, aber auch über versäumte Erzählungen.”

Badische Zeitung, J.Lehmann, 1994

“… Die undramatisch, aber eindrucksvoll gefilmten Schilderungen von Zeitzeugen enthüllten ein Bild des Grauens, das aus dem deutschen Bewusstsein nicht verdrängt werden darf.”

Neue Ruhr Zeitung & Badisches Tageblatt, P.Michael, 1994

“… die filmische Spurensuche von Uli M Schueppel weist weit über private Geschichtsbewältigungsversuche hinaus. Sie ist ein Dokument deutsch-deutscher Geschichte und die längst fällige Darstellung der Anfänge des demokratischen Widerstands. …”

Badische Neuste Nachrichten, peko, 1994

“… Eine erschütternde Spurensuche, ein bewegendes Dokument.”

Hamburger Abendblatt, G. Wolf, 1994

“… ein Film darüber, wie das Schweigen über die Vergangenheit bis heute den Alltag belastet.”

Mitteldeutsche Zeitung, T.Hirsch, 1994

“Bodenlose Verzweiflung. Beklemmender sah man Geschichte auf dem Bildschirm wohl schon lange nicht mehr. (…) Die oft gepriesene Redaktion ‘Das Kleine Fernsehspiel’ hat sich mit ‘Jahre der Kälte’ neues Lob verdient.”

Westfälische Rundschau, O.Heuer, 1994

Mehr als ein Dokumentarfilm! (…)”

Kölner Stadt Anzeiger, TH, 1994

“Packend, bewegend, nachhaltig.”

Münchner Merkur, E.Horn, 1994